Hanse-Karte © Kalimedia-Verlag

Der Hansetag

Seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts versammelten sich die Hansestädte auf dem Hansetag, um gemeinsame Beschlüsse zu fassen. Hansetage fanden nach Bedarf in unregelmäßigen Abständen statt, in 311 Jahren insgesamt 172 mal.

Beschlüsse

Meist wurde der Hansetag in Lübeck abgehalten. Der Bürgermeister der gastgebenden Stadt leitete die Verhandlung. Die Beschlüsse mussten einstimmig gefasst werden, was bei bis zu 50 teilnehmenden Städten mit sehr unterschiedlichen wirtschaftlichen Interessen – nicht anders als heute – sehr schwierig war.

Die zum Hansetag entsandten Vertreter berieten über alle Fragen, die das Verhältnis der Kaufleute und Städte untereinander betrafen. Ebenso die Beziehungen zu den Handelspartnern im Ausland, diplomatische Aktivitäten, Neuaufnahme oder Ausschluss von Mitgliedern, oder Entscheidungen über Krieg und Frieden. Der Idee nach sollten die Beschlüsse für alle Mitglieder verbindlich sein. Wenn allerdings Entscheidungen zu Problemen gefasst werden sollten, die im Einladungsschreiben nicht genannt waren oder zu ausführlich und komplex für waren, mussten die Angelegenheiten zuvor mit den Räten und Bürgerversammlungen der jeweiligen Heimatstädte beraten werden. Das machte eine Beschlussfassung erst auf dem nächsten Hansetag möglich. Diese Rückverweisung an die Heimatstädte und die geforderte Einstimmigkeit machten die Entscheidungen kompliziert und langwierig.

Rechtsgültig wurden die Beschlüsse der Hansetage, die sogenannten Rezesse, erst durch die Verkündung, d.h. Verlesung, in den Kontoren und auf den Gemeindeversammlungen der einzelnen Städte. Was den Interessen der jeweiligen Städte zuwiderlief, wurde dabei weggelassen. Daher waren die Chancen eines Rezesses, in allen Hansestädten Rechtskraft zu erreichen meistens sehr gering.

Trotz dieser Schwierigkeiten bestimmte die Hanse nach außen hin von der Mitte des 13. bis zum Ende des 17. Jahrhunderts über 400 Jahre lang die Wirtschafts-, Handels- und Machtpolitik im nördlichen Europa mit.

Das Ende und ein Neuanfang

Im Juli 1669 fand der letzte Hansetag in Lübeck statt.  Lediglich sechs Städte waren anwesend, drei weitere ließen sich vertreten. Veränderte wirtschaftliche Strukturen und die politisch wenig entwickelten verlässlichen Machtstrukturen ließen das Hansebündnis scheitern. Auch wenn die Hanse nie formell aufgelöst wurde, spielte sie in den kommenden Jahrhunderten keine Rolle mehr, bis der Städtebund DIE HANSE im Jahr 1980 neu gegründet wurde. Seitdem finden wieder regelmäßig Hansetage statt, jedes Jahr in einer anderen Mitgliedsstadt.