Felle aus Nowgorod

Die Anfänge

Der Beginn der Hanse lässt sich nicht an einer bestimmten Jahreszahl oder einem bestimmten Ort festmachen. Aus losen Zusammenschlüssen von Fernhändlern zu Fahrtgemeinschaften, den so genannten „hansen“, entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte eines der mächtigsten Handels- und Städtenetzwerke im mittelalterlichen Europa.

Auf nach Nordosten!

Niederdeutsche Kaufleute reisten schon im 12. Jahrhundert regelmäßig über die Ostsee zur Mündung des Flusses Newa im Nordwesten Russlands, und von dort weiter bis nach Nowgorod. Die Stadt war weithin als Handelszentrum für Wachs und Pelze bekannt, aber auch für Gewürze und Seide. Die Fernhändler aus Lübeck, Dortmund und anderen Städten brachten im Gegenzug Tuche, Metall, Salz, Hering und Getreide nach Nowgorod.

Visby town wall 2 © Region Gotland

Gotland: Zentrum des Ostseehandels

Die Reise nach Nowgorod war lang und gefährlich. Aufgrund ihrer strategisch günstigen Lage mitten in der Ostsee entwickelte sich die Insel Gotland vor der schwedischen Küste deshalb zu einem beliebten Zwischenstopp und schließlich zu einer Drehscheibe des Handels im Ostseeraum.

Niederdeutsche Kaufleute fuhren die Insel bereits zu Beginn des 12. Jahrhunderts an. Nach der Gründung der Stadt Lübeck im Jahr 1159 wurde Visby auf Gotland zu einem wichtigen Stützpunkt der Lübecker Kaufleute, die sich zur Genossenschaft der Gotlandfahrer zusammenschlossen.

Lübeck 1641 Merian

Stadtgründung Lübecks

Die Stadt Lübeck spielte in der Entwicklung der Hanse eine wesentliche Rolle. Adolf von Schauenburg, Graf von Holstein, ließ 1143 auf der heutigen Lübecker Altstadtinsel nach deutschem Recht eine Stadt errichten. Die junge Stadt zog Kaufleute von nah und fern an. Dass die Stelle handelspolitisch geschickt gewählt war, merkte auch der Lehnsherr von Graf Adolf, Herzog Heinrich der Löwe, schnell am Rückgang des Handels in seinen Marktplätzen Bardowik und Lüneburg. Viele Kaufleute wanderten nach Lübeck ab. Es kam zu Auseinandersetzungen zwischen dem Herzog und dem Grafen. Nachdem Lübeck 1159 niederbrannte, gründete Herzog Heinrich der Löwe die Stadt neu und stattete sie mit zahlreichen Rechten und Freiheiten aus. Die Bürger entwickelten auf der Grundlage des Soester Rechts ihr Stadtrecht, das später als "Lübisches Recht" von mehr als 100 Städten im Ostseeraum übernommen wurde. Die günstige Lage des Lübecker Hafens am Ufer der Trave und nahe der Ostsee ließ die Stadt rasch zu einer der bedeutendsten Städte des Reichs aufsteigen.

Privileg des Königs Eduard IV. 1547 ©EHM Olaf Malzahn

Privilegien 

Ein wichtiger Schritt bei der Entwicklung des hansischen Handelsnetzwerks ist das Artlenburger Privileg von 1161, mit dem Heinrich der Löwe blutige Auseinandersetzungen zwischen niederdeutschen Kaufleuten und ihren gotländischen Konkurrenten beendete. Er gewährte den Gotländern in seinem Reich die gleichen Rechte wie den deutschen Fernhändlern, nämlich Zollfreiheit, Schutz und Frieden. Diese Garantien beruhten auf Gegenseitigkeit.

In England erhielten Kaufleute aus Köln bereits 1176 von König Heinrich II. das Privileg, in London eine eigene Niederlassung zu gründen. Hieraus entwickelte sich ein mächtiges Hansekontor, der Londoner Stalhof. Aber erst im Jahr 1282 verwendeten die Kaufleute in England erstmals die Eigenbezeichnung „Hanse“.

Aus Russland sind Verträge zwischen dem Fürsten von Nowgorod und niederdeutschen und gotländischen Fernhändlern ab dem Jahr 1191 /1192 überliefert. Sie sicherten den Kaufleuten Sonderrechte sowie Schutz auf den Verkehrswegen, vor willkürlichen Verhaftungen oder überteuerten Gebühren zu. So erlangten sie wirtschaftliche Vorteile gegenüber anderen Händlern. Auch hier erhielten die Kaufleute die Erlaubnis, eine eigene Niederlassung zu gründen, den Peterhof. In den Niederlassungen wurde Mittelniederdeutsch gesprochen, die gemeinsame Sprache der hansischen Kaufleute.