Adresse
Stadt Pritzwalk, Marktstrasse 39, 16928 Pritzwalk
Tel. 03395 – 76080
Internet: www.pritzwalk.de; www.museum-pritzwalk.de; www.pritzwalk-info.de
E-Mail: pritzwalk@t-online.de; stadtinfo.pritzwalk@t-online.de; museum@pritzwalk.de
Hansischer Städteführer Pritzwalk

I. Die Stadt
Handelsstadt und Hansestadt
Die Ursprünge der deutschen Stadt gehen auf die Zeit um 1200 zurück. Sie entwickelte sich an einem älteren slawischen Siedlungsplatz am Flüsschen Dömnitz. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1256 im Zusammenhang mit der Verleihung des Seehausener Stadtrechts durch die brandenburgischen Markgrafen Otto und Johannes. Pritzwalk war somit eine Immediatstadt mit weitgehenden Selbstverwaltungs- und Gerichtsprivilegien bis hin zum Bündnisrecht und der Hochgerichtsbarkeit.

Plan von Pritzwalk Intra Moenia von 1727 (Museum Pritzwalk)
Die Entstehung Pritzwalks ist eng mit der Lage am Knotenpunkt verschiedener Landhandelswege verbunden. Der bedeutendste war zweifellos derjenige zwischen den alten slawischen Herrschaftszentren Wittstock und Lenzen. Von Lenzen aus erschloß sich über die Elbe die Verbindung mit dem Nordseeraum. Daneben verbanden die Wege über Parchim und Meyenburg Pritzwalk mit dem Ostseeraum. Dominierend jedoch blieb die Ost- West- Verbindung, die sich im Grundriß der Stadt widerspiegelte.
Zwischen Kemnitzer und Perleberger Tor verläuft die Marktstraße mit dem Marktplatz.Die Marktstraße war bereits früh als breite Magistrale angelegt, die den Händlern mit ihren Fuhrwerken ausreichend Platz bot und durch mehrere Brunnen auch die Wasserversorgung der Pferde und des Viehs ermöglichte. Die vergleichsweise Enge des Marktplatzes legt nahe, daß die Marktstraße selbst auch als Ort des Handels und des Warenstapels genutzt wurde.
Bereits in der Stadtrechtsurkunde von 1256 wird eine “Fraternitas mercatorum” (Kaufmanns-Bruderschaft) erwähnt. Sie trieb regen Fernhandel vor allem auch mit den Hansestädten an Nord- und Ostsee. So sind im Schuldbuch von Hamburg aus dem Jahre 1288 die Pritzwalker Kaufleute Richardus, Rico und Joh(annes). de Hertsfelde verzeichnet. Im 14. Jahrhunderts erlebte der Pritzwalker Handel eine frühe Blüte. Für das Jahr 1359 ist die Mitgliedschaft Pritzwalks in der Hanse sicher nachgewiesen, als Rostock die Stadt zu einem allgemeinen Hansetag nach Lübeck einlud.

Pritzwalk, Stich von Daniel Petzold 1710-1715
Die große Bedeutung Pritzwalks als Knotenpunkt der Handelswege unterstreicht das markgräfliche Zollprivileg von 1364, das die Erhebung eines Wagen- und Wegezolls zur Unterhaltung der Verkehrswege erlaubte. Der Landesherr bestätigte den Pritzwalker Bürgern zollfreien Handel zu Lande und zu Wasser in all seinen Städten und Landen. Darüber hinaus genossen die Pritzwalker Zollfreiheit in Lübeck.
Das Hauptausfuhrgut Pritzwalks war Getreide. Daneben spielten Woll- und Leinenstoffe sowie Holz und Vieh eine große Rolle. Unter den eingeführten Waren fanden sich insbesondere feine Tuche, Lüneburger Salz, Heringe, Hopfen und Metalle. Aber auch Luxusgüter, wie Wein und Gewürze waren gefragt.

Pritzwalk um 1850
Stich von Johann G. F. Poppel & Georg Michael Kurz nach Julius
Gottheil, Berlin
Im 15. Jahrhundert litt der Handel zunehmend unter Raubüberfällen.
Im 16. Jahrhundert kam die Konkurrenz des Adels und durch
auswärtige Kaufleute, vor allem aus Hamburg und anderen großen
Städten, die in der Prignitz Handel trieben, hinzu.
Die Beeinträchtigung des Fernhandels versuchten die Prignitzstädte
durch den Ausbau der Jahr- und Wochenmärkte zu kompensieren.
Pritzwalk erhielt 1593 die Bestätigung seiner freien Jahrmärkte.
Seit dem Mittelalter waren drei Jahrmärkte gebräuchlich, nunmehr
kam ein vierter am Montag oder Dienstag nach Martini hinzu.
Die Zerstörungen und Plünderungen des Dreißigjährigen Krieges, die
Pestepidemien und Seuchen sowie die daraus resultierende
Entvölkerung ruinierten die Stadt.Durch die Fertigstellung des
Oder-Spree-Kanals 1669 verlor der alte, durch Pritzwalk führende
Ost-West-Handelsweg seine Funktion, wenn auch der Tuchverkauf nach
Hamburg noch Ende des 18. Jahrhunderts recht umfangreich war.
Die Bevölkerungszahl von 400 um 1620 sank auf 52 anwesende Bürger
um 1640.Erst um 1700 erreichte die Stadtbevölkerung wieder die Zahl
1700 und blieb ein Jahrhundert fast unverändert. Einen schweren
Schlag bedeutete der große Brand von 1821, der 90 % der Stadt
einschließlich der Kirche und des stolzen Renaissance-Rathauses
vernichtete.

Rathaus
Erst das Industriezeitalter weckte Pritzwalk aus seinem Dornröschenschlaf. Wiederum wurde die Stadt zu einer Schnittstelle der Transport- und Handelswege. Den Anfang bildete der um 1840 einsetzende Chausseebau. Schließlich entwickelte sich Pritzwalk ab 1885 zu einem überregionalen Eisenbahnknotenpunkt.
Herausragende Bedeutung erlangte die „Uniformtuchfabrik Gebr. Draeger“ am Meyenburger Tor, die später in den Besitz der heute bedeutenden Industriellenfamilie Quandt überging. In unmittelbarer Nachbarschaft produzierte die Brauerei Schraube und tut dies als Brauhaus Preussen Pils GmbH noch heute.Daneben sorgten moderne Mühlen, Molkereien und kleinere Maschinenbaubetriebe, Händler und eine leistungsfähige Landwirtschaft für wachsenden Wohlstand.
In den einhundert Jahren von 1825 bis 1925 wuchs die Bevölkerung um 5000 Einwohner auf 8400.Pritzwalk wuchs über die Grenzen der Stadtmauer hinaus. In den neuen Straßen wuchsen repräsentative Villen und Mietshäuser. Die Backsteingebäude des Gerichts, der Post, des Krankenhauses und des Gymnasiums zeugen vom Aufschwung der Jahrhundertwende.

Stadtmauer mit Wiekturm
Die beiden Weltkriege forderten auch in Pritzwalk ihren
schrecklichen Tribut. Hunderte Pritzwalker verloren ihr Leben auf
den Schlachtfeldern. Die Explosion eines Munitionszuges auf dem
Bahnhof in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges richtete
schwere Schäden an.
Bald nach Ende des Krieges begann der Wiederaufbau. Pritzwalk wurde
1952 Kreisstadt.
Die Errichtung des Zahnradwerks mit seinen nahezu 2 000
Beschäftigten und vieler anderer Betriebe ab den sechziger Jahren
gab der Stadtentwicklung entscheidende Impulse. Neue Stadtteile,
Schulen und soziale Einrichtungen entstanden. Indes blieb auch
Pritzwalk von den Krisenzeichen der späten DDR nicht verschont.
Trotz aller Probleme entwickelte sich Pritzwalk städtebaulich und
wirtschaftlich nach der Wiedervereinigung Deutschlands erfolgreich.
Heute kommt der Besucher Pritzwalks in eine gastfreundliche und
lebendige Stadt, deren 14 000 Einwohner ihren Gästen mit Stolz das
historisch Überkommende wie das neu Entstandene präsentieren.
II. Die Überlieferung
Das Archiv
Tel. 03395 – 400 656; Fax 03395 – 302802
E-mail: archiv@pritzwalk.de
Öffnungszeiten: Di 8.00-12.00 und 13.00 – 17.30 Uhr; Do 8.00-12.00 und 13.00-16.00 Uhr sowie nach Vereinbarung
Der Stadtbrand 1821 vernichtete einen Großteil des Bestandes. Die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bestände bestehen deshalb nur aus 56 Urkunden sowie einzelnen Aktenstücken und einem städtischen Gerichtsbuch jeweils aus dem 17. und 18. Jahrhundert.Die Urkunden befinden sich als Depositum im Brandenburgischen Landeshauptarchiv in Potsdam, sind als Fotokopie aber in Pritzwalk einsehbar.
Literatur
700 Jahre Stadt Pritzwalk 1256 - 1956, Pritzwalk 1956
725 Jahre Pritzwalk. Chronik der Stadt Pritzwalk, Pritzwalk 1981
Lieselott Enders, Die Prignitz. Geschichte einer kurmärkischen Landschaft vom 12. bis zum 18. Jahrhundert (Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs,
hg.v. Klaus Neitmann), Potsdam 2000
Lieselott Enders, Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil 1 Prignitz, Weimar 1997
Johannes Schultze, Die Prignitz. Aus der Geschichte einer märkischen Landschaft, Köln/Graz 1956
Prignitz – Forschungen Nr. 1 - 2, hg.v. Heimatmuseum Pritzwalk, Pritzwalk 1966 und 1971
Pritzwalker Heimatblätter, Heft 1- 10, Pritzwalk 1987 - 2003
Pritzwalk und Prignitz. Beiträge zur Heimatkunde, hg.v. Heimatmuseum des Kreises Pritzwalk, Pritzwalk 1961
Rolf Rehberg / Wolfgang Simon, Illustrierte Geschichte Pritzwalks, Pritzwalk 2006
Urkunden der Stadt Pritzwalk in Regesten (1256 - 1703). Bearbeitet von Friedrich Beck (Quellen, Findbücher und Inventare des brandenburgischen Landeshauptarchivs. Herausgegeben von Klaus Neitmann), Frankfurt am Main u.a. 2007


