Adresse:
Stadt Naumburg/Saale
Tourist- und Tagungsservice
Markt 12, 06618 Naumburg
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Hansischer Städteführer-Naumburg (Saale)

I. Die Stadt
Naumburg, an der Kreuzung alter Handelsstraßen und auf halbem Wege zwischen den bedeutenderen Handelsorten Erfurt und Halle gelegen, hatte sich bis zum 15. Jahrhundert zum wichtigsten Handels- und Messeplatz Ostthüringens entwickelt. Am Namenstag der Schutzheiligen des Naumburger Domes wurde jährlich die Peter-Pauls-Messe abgehalten, die zwar ab dem 17. Jahrhundert im Kräftemessen mit der erstarkenden Leipziger Messe zunehmend an Bedeutung verlor, aber dennoch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts fortbestehen sollte. Gehandelt wurde im 15. Jahrhundert mit Pelzen, Häuten, Honig, Wachs, Tuchen, Metallwaren, Gewürze, u.v.m. Eine besondere Bedeutung erlangte Naumburg als Umschlagplatz von Färberwaid, einer Pflanze, der bis zur Entdeckung des Indigo eine zentrale Bedeutung beim Färben von Tuchen zukam.

Blick auf den Markplatz der Stadt Naumburg/Saale
Der Handel brachte den Bürgern Reichtum und Ansehen. Als Ausdruck
ihrer wirtschaftlichen Macht und ihres neuen Selbstbewusstseins entstanden in der Ratsstadt repräsentative Bauten wie das Rathaus
und die Stadtkirche St. Wenzel. Gleichzeitig nutzte das Bürgertum die wachsende wirtschaftliche
Macht um dem Bischof, unter dessen Vorherrschaft die Stadt seit
ihrer Gründung stand, nach und nach die wichtigsten Hoheitsrechte abzuhandeln. Zu Beginn
des 15. Jahrhundert entschloss sich die Bürgerschaft schließlich
ohne Billigung des Bischofs und des Landesherren, dem Sächsischen
Städtebund beizutreten.
Im Frühjahr 1430 entsandte der Naumburger Rat bereits Boten zur
Tagung des Sächsischen Städtebundes in Braunschweig. Zwei Jahre später, am 18. Mai 1432 erklärte die
Naumburger Bürgerschaft in Braunschweig ihren Beitritt zum
Sächsischen Städtebund der Hanse. Gewiss versprach sich die Naumburger Bürgerschaft durch das Bündnis auch Schutz vor der Bedrohung. durch die Hussiten. Bereits auf dem am 1. Januar in
1430 in Lübeck eröffneten Hansetag hatten die Hansestädte einen
Beschluss über den gegenseitigen Beistand im Falle eines Angriffs
durch die Hussiten gefasst. Dem ungeachtet war der Hansebeitritt der Naumburger Bürgerschaft
eine Herausforderung der Landesherren, die in der städtischen Bündnispolitik ihre hoheitlichen Ansprüche bedroht
sahen.

Der Naumburger Dom
Der Landesherr Kurfürst Friedrich II verwandte sich deshalb alsbald - insbesondere nach dem Abschluss eines Friedensabkommen mit den Hussiten, das ebenfalls 1432 zustande kam - für den Austritt der Naumburger aus der Hanse. Im Bündnis mit den sächsischen Herzögen Friedrich von Sachsen und Sigismund von Sachsen, dem Landgraf Friedrich von Thüringen Markgraf zu Meißen, des Naumburger Bischofs Johann II. und des Naumburger Domkapitels wurde der städtische Rat 1432 gezwungen, „aus dem Bund der See- und Hansestädte oder wo sie sonst mit fremden Städten oder Leuten verbunden wären“ auszutreten. Die Urkunde, die am 30. Juni 1433 in Jena ausgestellt wurde und im Archiv der Stadt Naumburg aufbewahrt wird, ist als Kopie auch im Stadtmuseum Naumburg zu sehen.
II. Die Überlieferung
Das Archiv
Stadtarchiv Naumburg, Kramerplatz 1, 06618 Naumburg
Telefon: 03445-27040
Die hansische Überlieferung ist zu suchen im sog. Geschlossenen Archiv mit Unterlagen bis 1815: darunter ca. 220 mittelalterliche
Urkunden (darunter Urkunde vom 30. Juni 1433 über den
Austritt Naumburgs aus der Hanse), die Ratsrechungen seit 1348,
Ratsprotokolle, Copialbücher, Beschließbücher,
Richteramtsrechnungen bzw. Schöffensprüche, Innungsunterlagen,
Rechnungen von Institutionen (z.B. Stadtkirche St. Wenzel, Milde
Stiftungen).
Präsentation
Stadtmuseum Hohe Lilie
Markt 18, 06618 Naumburg
Telefon: 03445-703503
www.museumnaumburg.de
